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Weimarer Tagebücher - Tag zwei


Die Würde der Vergangenheit

Die Knochen der Frau liegen im Grab. Senkrecht. Der Schädel wieder zusammengebaut, wie Playmobil. Ihr Kind in den Armen.

Bräunlich leuchtet die Farbe unter der grellen Beleuchtung. Museumsalltag.

Absurd, irgendwie, drängelnd hinter Glasscheiben zu stehen, wie im Zoo und dem Schädel in die leeren Augenlider zu starren.

Nein, ist ja Museumsalltag.

Wo bleibt die Würde von den Menschen, der Menschen der Vergangenheit?

Stimmt. Ihre Würde ist Vergangenheit.

13.06.19, Annatina Lilienthal

Die Schamanin blickte ins Jenseits.

Dachte an ihren Körper, verkrüppelt.

Sie lag da, drehte ihren Kopf und wusste was sie nun erwarten würde.

Der Himmel drehte sich, die Dunkelheit umhüllte sie und die Sterne erlischten.

Ein blaues Tier. Ein gelbes Tier. Rosarotestier.

Hochgezogen, runtergefallen, aufgefangen.

Eines tieftraurig, 200 Meter tief.

Eines hochneidisch, 200 Meter hoch.

Eines vollverliebt, so voll wie man 200 Meter hoch und tief füllen kann.

Die Schamanin war jedes und doch keines dieser drei.

Ein Orangenbaum mit violetten Orangen. Ein nasses Feuer. Dunkle Sonnenstrahlen.

Wunderlich, undenkbar, voll daneben.

Eines unbrauchbar und doch brauchbar

Eines ausgefallen und hingefallen

Eine Welt hergeholt nah weggegeben

So auch die Schamanin: Das was sie sein sollte aber doch nicht ganz

13.06.19, Ines Delic

Die Himmelsscheibe

Um mich blaues Wasser

Über mir der Himmelsweg

Meine Welt

3600 Jahre im Boden versunken

Bis sich die Erde mir wieder öffnet

Eine neue Zeit.

Himmel und Erde verbunden.

13.06.19, Paulina Bühler

Schamanen Biographie

Geburt als Schamane.

Leben als Schamane.

Tod als Schamane.

Zugfahrt nach Mainz als Schädel.

13.06.19, Jero Plüss

Früher grausam, heute grausam.

Zerstört, zerstückelt, tot und wieder zusammengesetzt

als lebloses

Bild, als stummer Einblick

in die Zeit vor vielen tausend Jahren.

13.06.19, Veronica Zemann

Instagrammable Steinzeit

Die gelangweilten Schüler schlendern hinter einem Guide hinterher und probieren das Gähnen zu unterdrücken. Sie gehen träge von Raum zu Raum, doch plötzlich zücken alle ihr Handy -> eine Wand voller Gesichter perfekte Kulisse für ein zwei Insta Bilder -> die Müdigkeit ist überwunden alle sind hellwach und strahlen mit dem schönsten Lächeln vor der weissen Wand mit den Gesichtern.

d Form vode Muse münd sich endere wie d Kirche. Die alte Lüt sterbed us die Junge gönd nüme freiwillig is Museum. Usert mer chan geili Insta pics mache. Die hütige Usstelligsforme münd sich apasse und nüme so faktelastig si -> mehr Ästhetik -> mehr jungi Kunden.

13.06.19, Anina Pignatelli

Seit sieben Monden streift er durch die Wälder fremder Gefilde, die Sonne neigt sich schon dem Himmelsende entgegen, Vögel zwitschern, der Wind fährt leide durch die Bäume des weitläufigen Waldes. Doch plötzlich durchdringt ein dumpfer Schrei die Stille des Waldes, der Jäger mässigt seinen Schritt, dann erblickt er den Grund seiner zuvor erweckten Aufmerksamkeit. Auf einer ruhigen Lichtung grast eine Herde Elefanten, ihre graue Haut schimmert im Licht der untergehenden Sonne. Still betrachtet der Jäger die ruhig stehenden Objekte seiner Begierde. Nach einer Weile des Ausharrens erhebt er sich aus dem Dickicht des Waldes und kehrt schnellen Schrittes zu seinem Dorf zurück. Dort wird die Nachricht an die Dorfgesellschaft getragen, dies löst grosse Freude bei den Dorfbewohnern aus, die Jagd kann beginnen,

Mattes Glotzmann, 13.6.2019

Eine bronzene Platte mit Monden und Sternen gemacht um sich die Tage zu merken 32 Sterne ein voller und ein halber Mond schimmern in einem goldenen Ton nach langer Zeit von zwei Plünderern gefunden so drehte sie in Europa ihre Runden schlussendlich beschlagnahmt in der Schweiz und so nun gelandet im Museum für Vorgeschichte.

Max Metz, 13.6.2019

Schamaninnen Wolf

Meike Zanetti

Das zwitschern der Vögel und das Quaken der Frösche brachte die relativ Junge Schamanin nicht aus ihrer Trance. Denn sie war voll und ganz in ihrer eigenen Welt. Plötzlich erschrak sie, ein grummen kam aus dem Gebüsch das neben ihr Wucherte. Es kam ihr bekannt vor. Bei ihrer schnellen Kopf Bewegung zum Busch, rutschte ihr das Reh Geweih, dass sie auf dem Kopf trug, ins Gesicht und sie konnte wenige Sekunden nur noch wenig erkennen. Diese einzelnen Sekunden waren genug um sie in Lebens Gefahr zubringen. Zu spät erkannte sie das ein Riesiger Brauner Wolf mit Smaragd grünen Augen auf sie zu eilte. Ihm lief der schleim nur so aus dem Maul. Er war bereit um mit seinem riesigen Maul zu ihrem Gesicht zu gelangen und ihr restliches Blut ihres Mittag Essens, dass sie zuvor verspeist hatte, weg zu beißen. Er sprang mit voller kraft auf sie, sie wehrte sich mit ihren Händen und Füssen doch ihre Behinderung an ihren Halswirbeln erschwerte ihr dies. Als er seinen Angriff startete und ihr ins Gesicht schnappen wollte, biss er ihr regelrecht ins Reh Geweih. Diesen Schmerzens schrei denn er von sich gab, war der Schrei des Schmerzens und des Versagens. Das Blut das aus seinem Kopf und seiner Schnauzte herauslief, floss auf sie und benetzte sie mit Blut. Ihre Panik machte sich breit und sie versuchte denn Toten Wolf von sich zu Stoßen und sich von ihm zu befreien. Ihr lautes schnappen nach Luft war kaum zu überhören. Ihr lief das Blut mit ihren Tränen vermischt die Wangen herunter. Sie weinte über denn Tot des Wolfes und betrauerte seinen Tot. Sie sah in jedem Wolf ein Zeichen der Stärke und Weisheit. Mit ihren Zähnen begann sie seine Wichtigsten Teile seines Körpers heraus zubeißen um diese dann in ehre zu behalten. Doch bei ihrem zweit letzten biss spürte sie ein leichtes stechen in ihrem oberen Schneide Zahn. Er war von denn letzten Jahren schon recht abgenutzt worden und zeigte schon die Kanäle die zu ihren Zahn Wurzeln führten. Beim letzten Biss setzte sich Blut frei in ihrem Mund und er füllte sich mit dem Geschmack von Silber. Sie dachte sich nicht viel dabei und legte sich das Fell des Wolfes über ihren Kopf und band das Reh Geweih daran fest. Sie lebte alleine unter einem Großen Baumstumpf und zog sich auch nach diesem Ereignis vollen Tag dorthin zurück. Sie war keine Unbekannte, sie wurde oft als die wichtigste Schamanin im ganzen Umkreis gesehen. Einige Tage nach ihrem Angriff fingen sich ihre Zähne an zu entzünden und ihr stieg das Fieber in den Kopf. Sie wurde von Tag zu Tag immer kränker und suchte sich in einem nahe gelegenen Dorf Hilfe, doch dort konnte man ihr nicht mehr helfen. Ihre letzten Tage verbrachte sie mit ihrem Wolfs Umhang und dem Reh Geweih bei einem Arzt im Dorf. Sie verstarb. Wenige Tage später wurde sie begraben in der nähe ihres Zuhauses mit all ihren Grab beigaben.


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