Suche

Weimarer Tagebücher - Tag fünf


Die Reise geht weiter. Selma ist nach Hildesheim zurückgekehrt und Ruben, Valentin, Sascha und Anina haben übernommen! Wir freuen uns!

Die Gruppe ist nun in Eisenach und widmet sich den Geschehnissen des Mittelalters. Die Schüler und Schülerinnen erklommen die Wartburg, welche einst die Heilige Elisabeth von Thüringen und dann zeitweilig Martin Luther beherbergte. Auch im Zusammenhang mit Wagners Oper «Tannhäuser» wurde über die Minne, die Minnesänger und somit viel über die Liebe gesprochen.

Liebe? Was ist das? Kann man das kaufen? Kann man das finden? Kann man das Essen? Kann man das überhaupt sehen? Vielleicht fällt es einem auch einfach so zu. Ist Liebe alles und doch nichts? Ist Liebe alles was schön ist? Ist Liebe alles was bedingungslos ist? Ist Liebe überall, oder findet man sie nur an bestimmten Orten? Ist Liebe ein Gefühl, oder ist sie etwas Höheres? Ist Liebe Tod, oder ist die Liebe im Leben? Gibt uns jemand das Glück, oder müssen wir es suchen? Gibt uns jemand die Liebe, oder müssen wir sie suchen? Wir müssen die Liebe vielleicht in uns selbst suchen. Vielleicht ist die Liebe auch einfach ein Gedanke. Vielleicht ist die Liebe für jeden etwas anderes. Vielleicht ist die Liebe eine Lebenseinstellung. Vielleicht können wir auch einfach selbst bestimmen, was Liebe ist. Vielleicht ist Liebe auch einfach Liebe und nicht erklärbar.

Miro Heygel, 17.06.19

Luther sass in einem dunklen Raum Er übersetzte sie für Kinder, Männer und Frauen. Die Angst vor dem Teufel erfüllte ihn mit Hass und so warf er sein Tintenfass.

Max Metz, 17.06.19

Wie die Liebe überlebt

Kann man in einer Zeit, in der man benutzt und dann wegwirft, anstatt es zu flicken, oder in einer Zeit in der man sich täglich vergleicht mit tausenden von Bildern auf den Social-Media, noch Lieben? Ist der Ausdruck « Wegwerfgesellschaft» auch auf die Liebe zu übertragen? In einer Zeit, in der man schnell denkt es käme etwas Besseres, kann diese Liebe überleben? Es will sich Niemand mehr binden, ist es wegen diesem «Freiheitsgefühl». Jeder muss ja heute halb Südamerika durchreist haben, um wirklich etwas erlebt zu haben. In einer Zeit, in der die Körper der Menschen Produkte sind, mit denen sie sich vermarkten. In einer Zeit in der wir uns dann bloss auf unsere Verpackung bewerten. In einer Zeit, in der Alles immer und überall erhältlich ist. In einer Zeit, in der das Äussere mehr zählt als die Person dahinter. Kann die Liebe darin überleben? Erfolg, Geld und Konsum ist doch so wichtig wie noch nie. Bei uns im Westen zumindest. So brauchen wir die Liebe doch mehr als nie zuvor. Etwas was nicht so schnell vergänglich ist, wie die Followers auf Instagram. Die Liebe verändert sich im laufe der Zeit vielleicht vom Gefühl her nicht gross, jedoch von der Umsetzung. Man liess sich mehr auf einander ein, der Bruch kam nicht nach der ersten Krise. Dies gibt es sicherlich noch, doch es lässt nach. Die Hochzeit veraltet vielleicht, aber das Versprechen, welches man sich gab, sollte nicht veralten. Aber was hat es denn auf sich mit dieser «Freiheit» die Alle anstreben? Weil die Freiheit zu entscheiden, wo wir wohnen, was wir studieren, wie wir uns bekleiden, wen wir lieben; das haben wir bereits erreicht. Doch die Menschen streben nun nach einer neuen Freiheit, die ganze Welt sehen, Bungee-Jumping, ins All hinaus, zehn Sprachen lernen. Dies löst doch auch einen Stress aus im Menschen, von dieser Freiheit ist man doch überfordert? Ist dies der Grund, wieso so viele, gerade junge, sich nicht mehr richtig auf eine Person einlassen können?

Weil die Welt zu zugänglich ist? Zu gross… um zu lieben?

Sascha Müri, 17.06.19

Die Liebe Die Liebe ist ein evolutionärer Vorteil. Sie ist dort am stärksten, wo eine Abhängigkeit besteht, die Lebensentscheidend ist. Zum Beispiel Mutterliebe. Ebenfalls ist sie für das Fortbestehen einer Spezies zuständig. Im Mittelalter ist Liebe also notwendig. Doch was hat Liebe in der heutigen Zeit für eine Bedeutung, in der das Überleben sowieso garantiert ist? und die Fortpflanzung sogar ein Problem?

Jero Plüss, 17.06.19

Tagebucheintrag Nr.2 Walter von der Vogelweide Liebstes Tagebuch Lang ist’s her dass ich das letzte Mal in dich schrieb. Verzeihe mir dies bitte, doch ich hatte meine Gründe. Du darfst nämlich nicht vergessen, liebes Tagebuch, das mein Pergamentvorrat sich langsam dem Ende zu neigt und wie du sicher weisst ist das käufliche Erwerben von Pergament eine recht kostspielige Angelegenheit. Doch bevor ich noch mehr dieser wertvollen Ressource für halbherzige Ausreden verschwende, lass mich dir bitte erzählen, du mein bestes Tagebuch, was Schreckliches mir armer Seele am Gestrigen Abend widerfahren ist. Oh du mein, von mir zu tiefst verehrtes Tagebuch du glaubst gar nicht welchen Qualen ich armer Narr ausgesetzt war. Aber nun lass mich bitte zum Grunde meiner Belastung kommen, oh du mein wunderschönes Tagebuch. Nun, als ich am vergangene Abende zu Bette gehen wollte da passierte es. Ich hatte es mir gerade auf meiner Matratze gemütlich gemacht da betrat der Burgherr den Schlafsaal, in welchem ich mit einer Schar, bitte verzeihe mir an diesem Punkt die Wahl meiner Worte, betrunkener Schweine, die Nacht verbringen sollte. Der Burgherr, welcher neben mir auch schon das ein oder andere Glas vom Weine zu viel getrunken hatte, schien sich wohl in der Tür geirrt zu haben, den anhand seines Äußeren war es nicht schwer zu erkennen das der werte Herr standkurz davor sich zu erbrechen. Er brachte nur eine Kurzes « Verzeihung meine Herren heraus » bevor er sich dann auch schon in meinen Schoß erbrach. Es folgenden einige qualvolle Stunden, gefüllt mit lautem schiefen Gesang, Erbrechen gepaart mit erregten Stöhnen meiner Zimmergenossen, die mich in den Schlaf begleiteten.

Leonard Wohlgemuth, 17.06.19


JULL Junges Literaturlabor, 

Die Provinz GmbH - Gemeinnützige Gesellschaft für Kulturprojekte

Bärengasse 20, 8001 Zürich

T +41 44 221 93 81, office@jull.ch

Bankverbindung (ZKB Zürich): IBAN-Nr. CH84 0070 0110 0057 4440 9

Impressum

  • White Twitter Icon
  • White Facebook Icon
  • White SoundCloud Icon
  • Weiß Instagram Icon
  • Weiß Vimeo Icon
  • Weiß Twitter Icon

JULL official

JULL inofficial