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Ein anständiges Leben



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Ich gehe nach Hause, es war ein anstrengender Tag, ich durfte keine Rolex kaufen, Vater hat mir nur ein Ipad gekauft. Ich gehe ins Bett und denke drüber nach, was ich mir morgen kaufen könnte. Es dauert eine Weile, doch allmählich schlafe ich ein. Ich wache auf und jemand „schupft“ und beschimpft mich. „Wach auf, du Idiot, man schläft auf der Arbeit nicht ein.“ Ein grosser dünner Mann in der Ecke einer Hütte schaut mich mitleidig an. Ich entschuldige mich und frage nach, was ich machen muss. „Was für eine dumme Frage, du weisst ganz genau, was du machen musst.“ Um nicht wieder geschlagen zu werden, gehe ich zum Mann in der Ecke. Ich frage ihn, was ich machen muss. Er erklärt es mir, und ich fange an zu arbeiten. Ich frage mich, wie ich hierhergekommen bin, und vor allem, wieso ich mir das gefallen lasse. Ich bin viel reicher als diese Leute, ich muss gar nicht arbeiten! Aber ich will nicht wieder geschlagen werden. Ich arbeite lange und ohne Pausen. Meine Hände tun weh und ich bekomme Platzangst. Meine Lungen gehen kaputt, und ich muss die ganze Zeit wegen dem Staub husten. Mir geht es schlecht, aber niemand will mir helfen, nicht einmal die Leute, die sich daran gewöhnt haben, wollen mir helfen. Es ist spät abends, die „Einheimlichen“ machen ein grosses Lagerfeuer. Ich sehe kranke Kinder, sie haben dürre Körper und kahle Köpfe. Alle freuen sich über ein wenig Dreckwasser. Und plötzlich trinken die Leute den Matsch. Die Leute tun mir sehr leid, ihre Arbeit ist anstrengend und sie verdienen fast gar nichts. In diesem Augenblick höre ich eine laute Stimme. Mein Vater kommt mit einem Tablett an mein Bett. Ich habe nur geträumt! Auf dem Tablett befinden sich viele Snacks, ich aber fühle mich sehr schlecht, der Traum hat mir die Augen geöffnet; nicht alle sind so reich und wohlhabend wie ich; nicht alle Leute auf der Erde leben ein anständiges Leben.

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178 A + B - "Planet digital". Schule Feld, Klassen 2. Sek Loiacono und Codoni (Lehrerinnen Maria Loiacono und Céline Codoni). In Zusammenarbeit mit der Ausstellung Planet Digital. Schreiboach: Renata Burckhardt

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