Unter einer offenen Halle dieses Waldes (laublos)

14.05.2019

 

 

Das erste Kapitel der 1. Fassung (bereits gelesen) wird Seite für Seite von Hand abgeschrieben. Das JULL als Skriptorium, nur Schreibgeräusche sind zu hören, Kugelschreiber, Bleistifte, Filzstifte, Füller. Schriften-Vielfalt, Schnürlischrift-Pflicht ist aufgehoben, Einzelbuchstaben wirken teilweise wie getippt, bei manchen: Richtungswechsel innerhalb der Zeilen. Danach soll nacherzählt werden, was abgeschrieben wurde. Das Wort laublos  taucht zwei Mal auf. Ebenfalls: Unter einer offenen Halle dieses Waldes. 

 

Das “Räumliche” in Kellers malerischer Prosa: Welches ist der diesseitige, welches der jenseitige Berg?

 

Unser See bildet scheinbar ein weites ovales Becken, welches aus den bläulichen Farbenabstufungen des umgebenden Gebirges nur ahnen läßt, daß in der Ferne da und dort das Wasser in Buchten ausläuft und in den verschiedenen Seitentälern neue Seen bildet. Aus dem Hintergrunde der klaren Gewässer steigt die mächtige Gletscherwelt empor, senkt sich dann, im Kranze um den See herum, zum flacheren Gebirge herab, bis sich dieses in zwei schönen Bergen schließt, welche den mäßigen Strom zwischen sich durchtreten lassen, in das ebene Land hinaus. Am jenseitigen Berge, der seinen sonnigen runden Abhang, dem Süden zugewendet, aus dem See erhebt, liegt die Stadt hingegossen, fast von seinem Scheitel bis in das Wasser herunter, daß ihr steinerner Fuß sich noch in die spülende Flut hineintaucht. Vom diesseitigen Berge aber, welcher aus schroffen waldbewachsenen Felsen besteht, kann man in die Stadt hinein und hinüber schauen, wie in einen offenen Raritätenschrein, so daß die kleinen fernen Menschen, die in den steilen alten Gassen herumklimmen, sich kaum vor unserm Auge verbergen können, indem sie sich in ein Quergäßchen flüchten oder in einem Hause verschwinden.

 

Projekt 111: «Green Henry» - Jugendliche nähern sich schreibend dem grossen Zürcher Klassiker. Kantonsschule Enge, Klasse W1b (Lehrerin: Beatrice Stoll) mit Ruth Schweikert und Peter Weber. Im Rahmen von 200 Jahre Alfred Escher & Gottfried Keller, unterstützt vom Lotteriefonds des Kantons Zürich.

Illustration: Imaginäre Landschaft mit Gewitterstimmung. Aquarell, wahrscheinlich 1842 in München entstanden (Zentralbibliothek Zürich, Graphische Sammlung und Fotoarchiv).

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