"Frankfurt und die moderne Stadt der Zukunft" Weimarer Tagebücher - letzter Tag!

21.06.2019

 

 

Am letzten Tag der Reise besuchte die Gruppe den Frankfurter «Main Tower» und hatte das Vergnügen, die Metropole aus 200 Metern Höhe zu betrachten. Danach konnten die Schüler und Schülerinnen den Nachmittag frei verbringen. Der Schreibauftrag: Ein Essay zum Thema «Frankfurt: Eine moderne Stadt?» oder zur Altstadt Frankfurts und deren Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg.

 

 

Valentin Müri, 20.06.2019

Frankfurt am Main oder von gewitzten Zungen auch Frankfurt Mainhatten genannt, erinnert einen direkt an eine europäische Wirtschaftsmacht. Und der Schein trügt auch nicht, die Stadt beherbergt den Sitz der Europäischen Zentralbank, der Deutschen Bundesbank, der Kommerzbank, um wenige zu nennen. Zudem haben sie die Internationale Automobil Ausstellung, die Frankfurter Buch und Musik Messe und alle sind sie Weltmessen ihrer Sparte. Die Finanzmetropole hatte 2018 ein BIP (Bruttoinlandsprodukt) von 82’700 Euro pro Kopf. Doch damit ist sie keine Ausnahme für Deutschland, die Bundesrepublik ist führende Wirtschaftsmacht in Europa und führt mit einem BIP von 3,39 Billionen Euro die Kette der Wirtschaft in der EU an. Und all dies, obwohl Deutschland in den letzten 100 Jahren zwei Weltkriege führte und, noch wichtiger, bei beiden völlig ruiniert und zerstört kapitulierend sich den Gewinnermächten beugen musste. Und gerade die Stadt, die heute unter den Top 5 Wirtschaftsmächten in Deutschland ist, wurde im Zweiten Weltkrieg dem Erdboden gleichgemacht.

Heute verfügt Frankfurt über ein ausgeklügeltes Straßen- und Bahnnetz, bevor die englischen Bomber die Stadt auszulöschen versuchten, war es eine typisch deutsche Altbaustadt gewesen, ganz nach dem mittelalterlichen Bautyp aufgebaut, mit winzigen Gassen und Straßen, ebenso wie sie 200 Jahre davor gebraucht wurde. Somit mussten die Frankfurter, auch wenn natürlich nicht ganz freiwillig, ihre Stadt von Grund auf neu aufbauen und konstruieren, und was das zur Folge hatte, spiegelt sich heute in ihren Wirtschaftszahlen wieder.

Somit stellt sich die Frage, ob wir nicht Grundsätzlich darüber nachdenken müssten, eine Stadt ganz neu und den Ansprüchen unserer Zeit zu entwickeln?

Um Frankfurt jetzt nicht zu sehr zu idealisieren, muss klar auch gesagt werden, dass ihr wirtschaftlicher Aufschwung zum Großteil den Amerikanern zu verdanken ist. Die Angst, die deutsche Bevölkerung an den Kommunismus zu verlieren, weckte in der amerikanischen Regierung den Sinn für den schnellen Wiederaufbau. Sie stattete die Metropole mit der neusten Technik und Maschinen aus und halfen so, unglaublich schnell den Anschluss an die Wweltwirtschaft zu finden und diese sogar zu "übernehmen".

Doch um diese Maschinerie auch beim Laufen zu halten und bis heute unangefochtene Spitze zu bleiben, braucht es eben auch diese, eben genannte, Konstruktion der Stadt, die für die Wirtschaft essenziell ist. In der Geschichte der Architektur träumten viele große Namen davon, ganze Städte als ein Objekt zu entwerfen. Angefangen hatte dies mit Anforderungen an die Ästhetik, wie zum Beispiel von César Manrique, der die Insel Lanzarote mit seinem ganz eigenen Stil prägte, oder auch von dem brasilianischen Architekten Oscar Niemeyer, der Brasilia zum grössten Teil entwickelte und die Stadt als ein Gebilde an sich angesehen und auch so behandelt hat.

Jedoch heisst einheitliche Ästhetik noch lange nicht, dass die dazugehörige Struktur besonders belastbar und praktisch wäre. Dubai oder im kleineren eben auch Frankfurt sind perfekte Beispiele dafür. Diese Metropolen sind auf die Vernetzung von Strassen, Bahn und Luftverkehr eingestellt und entwickelt. Jedoch nicht auf das Wohlbefinden der Einwohner, auf das moderne Wohnen, das die heutigen Architekten beschäftigt - neue Konzepte für das Zusammenleben in einer Großstadt, also Logistik, Ästhetik und Wohlbefinden der Bewohner wortwörtlich unter einem Dach.

Dann kommt heute noch die ganze Thematik der Umwelt dazu. Der heutige Mensch hat den Anspruch auf grüne Wiesen, Bäume und große Parks. Die Zeit der Beton-Dschungel ist vorbei und ebenso die Zeit, in der die Industrie im Mittelpunkt steht.

Frankfurts Kriminalität zählt zu den höchsten in Deutschland. Das hohe BIP wird allein von dem Bankviertel getragen und wenn vom Durchschnittseinkommen pro Kopf die Rede ist, entsteht ein völlig falsches Bild.

Frankfurt mag ein Vorreiter sein, was die Stadtplanung anbelangt. Trotzdem ist es für mich keine moderne Stadt, an der man sich orientieren müsste. Und nun?
So schnell wird es, hoffentlich, keinen Weltkrieg mehr geben, und genauso unwahrscheinlich ist es, dass wir in Zukunft eine ganzre Stadt abreissen, um sie anschliessend völlig neu aufzubauen.

Großen Zuspruch findet die Bewegung der Smart Cities: Verschmelzung von Technologie und Stadt, ein langwieriger Prozess, der vom Bund gefördert und momentan heiss diskutiert wird. Man spricht davon, Häuser, Ampeln und Bauprojekte mit intelligenten Computersystem auszustatten, womit eine Ampel erkennen könnte, ob ein LKW bei roter Ampel steht, oder auch ein Fahrrad, und darauf angemessen reagieren, ganz simpel erklärt.

Das wäre nur ein kleiner Teil einer eben modernen Stadt der Zukunft.

Wohnquartiere neu denken und grosszügig Natur einfliessen lassen!

Vernetze Bewegungsformen zwischen U-Bahn, Strassen, Eisenbahn!

Wir müssen unsere Städte überdenken. Auch wenn wir nicht von einem Neuaufbau ausgehen müssen, können wir uns immer mehr an ein Ideal annähern und hoffentlich eines Tages auch dort anlangen.

 

Projekt 113 - "Weimarer Reise-Journal" Jugendliche der Atelierschule Zürich schreiben auf ihrer Reise nach Weimar. Schreibcoach: Selma Matter.

 

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