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Was bleibt, was geben wir weiter?


SchriftstellerInnen erforschen zuerst ihren Stoff, bevor sie schreiben. Und genau dies haben wir heute an Ort und Stelle gemacht.

Um zum Friedhof zu gelangen, spaziere ich durch ein verwunschenes Waldstück. Kaum aus dem Wald hinaus finde ich mich auf dem Friedhof wieder und die Vögel sind laut lebendig und da ich noch etwas Zeit habe, bis ich die Klasse und Frau Sonderegger treffe, lausche ich. Versunken im Quaken eines Frosches, welches ich viel zu lange nicht mehr gehört habe, begreife ich nicht, dass wir uns ja vor dem Friedhofstor treffen. Wo sonst? Gibt es eigentlich so etwas wie ein Schriftstellerbonus? Für Wolkenköpfe? Aber meistens geht es gut aus und ich sehe sie schon, die Gruppe.

Frau Sonderegger, Pfarrerin und Seelsorgerin im Alterszentrum Emmaus und Bibelheim Männedorf, zeigt uns eine Gedenktafel, auf der Dorothea Trudels Name zuoberst steht. Dorothea hätte das aber nicht gefallen, meinte sie. Warum? Darüber werden wir vielleicht schreiben…

Ich verfalle in Einzelheiten, weil diese so ein schönes Ganzes ergeben. Und Frau Sonderegger alles so schildert, als wäre sie dabei gewesen. Wunderbar! Also horche ich nach, was mir bleibt. Vielleicht das Schlussbild in der Kapelle des Bibelheims: Frau Sonderegger sagt, Dorothea Trudel habe alle Menschen in ihrer Heilanstalt einfach angenommen. Alle Menschen seien für sie genau gleich wertvoll gewesen, sie hätte auch darauf Wert gelegt, dass sich alle duzen, was nicht einfach gewesen sei für manche. Es ist nicht das erste Mal, dass ich während der Schilderungen an einen Kibbuz denke. Alle hätten mitgeholfen, wie es in ihrer Macht gestanden habe, auch die Kranken, für Angestellte habe man kein Geld gehabt. Und Trudel habe viermal am Tag eine Stunde lang gepredigt, Andachten gehalten.

Sie sagt den Schülerinnen und Schülern, sie dürfen nie vergessen, was für wertvolle Menschen sie seien.

Die Klasse hört stumm zu und schildert dann kurz ihre Eindrücke. Viele sagen, sie staunen, dass Dorothea Trudel nichts geschlafen habe, sich keine Pause, ja, keinen eigenen Raum gegönnt habe.

Fortsetzung folgt. In welcher Form, das werden wir herausfinden und das ist das Schöne am Schreiben. Was bleibt, was geben wir weiter?

Projekt Nr. 73 - Reformations-Novellen, Klasse TMe Oberstufe Männedorf (Lehrer: Toni Meili). Schreibcoach: Lea Gottheil. Gefördert und im Rahmen von ZH-REFORMATION


JULL Junges Literaturlabor, 

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