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Meine Mutter war an der Leine, und der Hund telefonierte mit einer Banane


Die 6. Klasse der Primarschule Riedenhalden mit Lehrerin Ulla Kersting besucht heute das JULL für ein erstes Kennenlernen am Freien Schreibmorgen. Begleitet werden sie von der Autorin Renata Burckhardt. Hier ein paar lesenswerte Ausschnitte aus einem Morgen voller kreativer Ideen, Diskussionen, Themenfindungen und vollgeschriebener Notizblätter:

In der Küche angekommen, staunte ich, wen ich da sah. Es waren meine Eltern mit einem komischen Backbuch in der Hand. Um drei Uhr nachts!

Er ging zum Esstisch, um Cornflakes zu essen. Da erblickte er in den Cornflakes lebendige Augen, die zurückblickten.

Auf der Strasse sah ich den Hund meiner Mutter in einem Anzug. Erstaunlicherweise war meine Mutter an der Leine und der Hund telefonierte mit einer Banane.

Ich schaute mich im Spiegel an und hatte auch die Haar- und Augenfarbe meiner Mutter. Ich schaute aus dem Fenster und sah meine Mutter auf der Rutsche spielen. Ich rief sie, aber sie wollte nicht kommen. Anscheinend war ich jetzt sie und sie ich.

Da sah ich den schwarzen Schnee, schwarze Flocken vom Himmel. Ich zog mich an, um einen schwarzen Schneemann zu bauen. Doch dann merkte ich, dass meine Eltern und ich die falschen Brillen angezogen hatten.

"Ich bin übrigens Pablo Escobar." Ich bekomme Panik und frage: "Wollen Sie mich töten?" "Nein, ganz im Gegenteil", sagt Pablo, "wir sind hier in der Schweiz, mein Junge."

Ich dachte, ich träume. Ich schüttete mir ein Glas Wassser übers Gesicht, aber nichts passierte.

Ich wache in der Schweiz auf. Und ich sehe viele fremde Menschen und andere Wohnungen. Ich höre andere Sprachen und andere Dialekte. Und die Menschen haben andere Religionen. Ich bleibe die ganze Zeit zuhause, weil ich die Strassen nicht kenne, und ich trage das Kopftuch, weil ich Muslimin bin. Ich gehe in die Schule, sehe andere Kinder und andere Lehrer. Die Kinder haben Angst wegen des Kopftuches. Nach einem Jahr ist alles gut und die Kinder haben keine Angst mehr, alles ist normal.

Ich liebe Süssigkeiten. Ich liebe Geld. Ich hasse Regen. Ich hasse den Sänger Justin Bieber.

Sie steckten mir einen Bleistift ins Ohr, bis es auf der anderen Seite wieder rauskam mit Gehirnstücken. Doch dann liessen sie mich frei. Ich wollte zu meinem Lamborghini laufen, doch kurz bevor ich ihn erreichte, starb ich.

Die Möbel waren alle verschoben, meine Eltern sahen aus wie Promis und die Bilder an der Wand hatte ich auch noch nie gesehen.

Ich wachte in einem Kofferraum auf und wusste nicht, was ich tun konnte. Es war sehr dunkel.

Die Bullen sind mega brutal, sie schiessen mit Koka und schroten herum. Sie wollen einen Räuber verfolgen, und dann sind sie gekommen: die Russen.

Projekt Nr. 65 - "Freier Schreibmorgen" - das JULL schreibend kennenlernen (neues Angebot für Zürcher Schulklassen), betreut durch wechselnde Autor/innen


JULL Junges Literaturlabor, 

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